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Energiewende – auch in Kiedrich? Aber ja!

Energiewende – auch in Kiedrich? Aber ja!

Photovoltaik und Windräder: Problemlösung oder Problem?

Das Schlagwort „Energiewende“ und die Diskussion über den Einsatz „Erneuerbarer Energien“ ist inzwischen schon Jahre alt, erfährt aber durch eine internationale Dynamik und die neue Bundesregierung aktuell einen kräftigen Schub. Warum soll gerade das kleine Kiedrich sich da eigene Gedanken machen, Wiesbaden oder Berlin werden es schon richten? Weil es uns als KiedricherInnen eben nicht egal ist, was in und mit unserem Ort geschieht. Das gilt für unsere EinwohnerInnen und natürlich für alle politisch verantwortlichen.

Wir fangen nicht bei „Null“ an!

Einige Jahre zurück wurden bereits heftige Diskussionen zur Windkraft geführt und auch Beschlüsse gefasst. Dazu später mehr.

Das Thema Photovoltaik war in unserer Region eher ein privates: Die PV-Module auf dem eigenen Dach. Mit Unterstützung der SPD-Fraktion in der Gemeindevertretung ist dieses Thema inzwischen auch in der öffentlichen Verwaltung angekommen: Auf dem Dach der John-Sutton-Schule ist kürzlich eine PV-Anlage durch eine hiesige Bürgergesellschaft installiert und in Betrieb genommen worden und die Gemeinde als Investor hat bereits eine PV-Anlage auf dem Dach des neuen Tennisheimes beauftragt – und auch das für unseren Ort neue Thema: „Großflächige PV-Anlagen auf naturbelassenen Flächen“ ist aktuell in Arbeit. Die Gemeindevertretung hat dazu in ihrer Sitzung am 13. Juni 2022 einen Beschluss gefasst. Darin wird der Gemeindevorstand ermächtigt, das folgende Projekt in Auftrag zu geben:

  • Bau einer Flächenphotovoltaikanlage (PV-Anlage) auf dem Gelände der Hahnwaldwiesen durch die SÜWAG Grüne Energien und Wasser AG & Co KG.
  • Übertragung des Betriebes an die e2 Erneuerbare Energien Rheingau-Taunus GmbH, an welcher die Gemeinde Kiedrich beteiligt ist.

Für den Bau der Anlage steht eine Fläche von ca. 6 ha zur Verfügung. Die dort erzeugbare Strommenge entspricht dem Verbrauch von 2500 Haushalten mit je 2500 kWh pro Jahr.

Eine Lösung der kurzen WegeHahnwald klein

Besonders interessant wurde diese Fläche, weil dort die Möglichkeit gegeben ist, den erzeugten Strom direkt an einen Großverbraucher, das geplante Aparthotel, zu verkaufen, was für den Stromerzeuger und den Abnehmer finanzielle Vorteile mit sich bringt. Die dessen Bedarf übersteigenden Strommengen können in das bis hierher reichende überörtliche Stromnetz ohne großen Aufwand eingespeist werden.

Im Planungsverfahren der Anlage wird die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger sichergestellt. Zusätzlich soll die Möglichkeit zur finanziellen Beteiligung für Kiedricher Bürgerinnen und Bürger geschaffen werden. Die gesamte Planungs- und Bauzeit wird mit ca. 3 Jahren geschätzt.

Und wo bleibt der Naturschutz?

Die Hahnwaldwiesen sind ein geschützter Bereich und haben einen hohen emotionalen Stellenwert für Kiedrich – aus Sicht des Naturschutzes und als Freizeit- und Erholungsbereich.

In einer ersten Voranfrage hat der RP als obere Naturschutz-behörde Bedenken angemeldet, weil der Bereich ein Naturschutzgebiet ist und dort seltene Pflanzen vorhanden sind. Dieser Hinweis stellt aber noch kein absolutes Hindernis dar, denn die Bedenken werden -auch vom RP- im Genehmigungsverfahren geprüft werden.

Ungeachtet der formalen Betrachtung durch die Verwaltung sollte man sich als BürgerIn die Frage stellen:  Kann eine solche Nutzung des Geländes mit dem Naturschutz vereinbar sein? 

Wir meinen ja!

Diese Anlagen werden in der Regel in aufgeständerter Bauweise errichtet, was zum einen technisch sinnvoll ist (Sonneneinstrahlung) und zum anderen den größtmöglichen Schutz von Flora und Fauna mit sich bringt. weil es keine Versiegelung der Flächen gibt, der Bewegungsraum für kleine und mittelgroße Tiere nicht oder nur wenig eingeschränkt und die Beregnung und Belüftung der Fläche sichergestellt ist. Das Beispielfoto lässt die Nutzung von Photovoltaik und Landwirtschaft auf der gleichen Fläche erkennen.

Ist das schon die Energiewende für Kiedrich?

Man könnte sich auf den Standpunkt stellen, dass mit der o.a. PV-Anlage schon mehr Strom erzeugt werden wird, als in Kiedrich verbraucht wird und dass damit genug getan ist für unseren Ort.

Wird angesichts der nationalen (Sicherung der Energieversorgung) und globalen (Klimawende) Probleme ein solches "Kirchturmdenken" der Sache gerecht? Dies auch, weil  der Taunuskamm im Rheingau als eines der wenigen für die viel leistungsfähigere Technik der Windkraftnutzung geeignete Standortfläche nach langen Prüfungen ausgewiesen wurde.

Es hat aber dazu schon Beschlüsse gebeben: vor Jahren hat die Gemeindevertretung Kiedrich in der seinerzeit auch über die Medien intensiv geführten Diskussion zur Windkraft zwei wesentliche Beschlüsse gefasst:

  • Keine Windkraftanlagen auf Kiedricher Gemarkung.
  • Keine Durchfahrtsgenehmigung über die Kiedricher Gemarkung zum Bau von Windrädern auf Eltviller Gemarkung.

 

Wir meinen: Kiedrich muss darüber reden, ob wir dies im Sommer 2022 noch genau so sehen. Es wäre zu begrüßen, wenn hierzu ein bürgerschaftlicher Diskurs entstünde. Die SPD-Kiedrich beabsichtigt hierzu zu einem „Gespräch beim Wein“ zum im Herbst einzuladen.

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